Ortsgeschichte

Ründeroth wird im Jahre 1174 erstmals erwähnt, damals als „Ruinede Rhode“. Bei der Urkunde ging es darum, dass der Vorsteher von St. Severin in Köln dem Grafen von Berg die Erträge in Form des Zehnten der Pfarrei Gummersbach, zu der Ründeroth damals gehörte, überträgt.

Tatsächlich ist Ründeroth deutlich älter, ohne dass man dies genau bestimmen kann. Immerhin wird der heutige Kirchenbau auf die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Aus dieser Zeit , zu der also auch die erste urkundliche Erwähnung vorliegt, stammen immerhin noch der Turm und die Untermauern des Langhauses dieses romanischen Baues. Wenn damals ein so großes Kirchengebäude im Bau war, dann muß der Ort schon eine gewisse Bedeutung und eine Reihe von Einwohnern gehabt haben. Und nebenbei bemerkt: damit ist unsere Kirche deutlich älter, als z.B. der Kölner Dom!


Der Kugelbrunnen vor der alten Schule
Konkret für Ründeroth gibt es aus der Zeit vor 1174 Geschichten, dass etwa zum Jahr 900 bereits im Bereich des Schulzentrums am Hohenstein eine fränkische Holzkapelle gestanden haben soll.
Als Grund für die Besiedlung von Ründeroth darf wohl die seichte Aggerfurt im Bereich der heutigen Aggerbrücke der B55 angesehen werden. In den frühen Zeiten führten die Wege durch das Oberbergische nur über die Berghöhen, da die Täler versumpft waren. Um die Furt nutzen zu können, musste man also die Berghöhe verlassen und teilweise steile Wege hinauf und hinunter in Kauf nehmen. Hier haben sich dann vermutlich Versorger und Helfer angesiedelt, wie Gastwirte, Sattler, Stellmacher, Schmiede und Pferdehalter, die zusätzliche Pferde als Vorspann für die Steigungen anboten.


Zugang zum Kurpark
Die Aggerfurt in Ründeroth wurde auch durch die mittelalterliche Zeith-straße genutzt, die von Bonn und Siegburg über Much, Drabenderhöhe, die Hohe Warte nach Ründeroth und dann über Remerscheid weiter nach Hagen und Dortmund führte. Auf der Hohen Warte sind noch heute deutliche Reste dieser alten Zeithstraße erhalten.
Neben der Aggerfurt war sicherlich auch bedeutsam, dass bereits seit dem 13. Jahrhundert im Oberbergischen Eisenerze abgebaut und verarbeitet wurden. Eines der ganz wesentlichen Bergwerkszentren war Kaltenbach und auch in Ründeroth waren einige Gruben und Stollen, deren Reste heute ebenfalls noch erkennbar sind. Ründeroth wurde dann in den folgenden Jahrhunderten ein bedeutender Ort für die Erzverhüttung und die Stahlverarbeitung in einer Reihe von Hammerwerken.


Blick auf die kath. Kirche
Die Einwohnerzahl entwickelte sich damals aber noch langsam. Bei Steuerzählungen zur Türkensteuerliste in den Jahren 1542 und 1565 wurden 16 Hofbesitzer gezählt. Einige betrieben nebenbei noch ein kleines Gewerbe als Händler, Schuhmacher, Schneider und Kesselflicker.
Zur Zeit des 30-jährigen Krieges von 1618-1648 bestand das kleine Dörfchen aus der Kirche, umgeben von dem Friedhof und wenigen Häuserreihen.
Schon damals läuteten vom Turm der Kirche die gleichen Glocken, wie noch heute. Sie wurden 1494, 1508 und 1538 für die damals noch katholische Kirche St. Jakobus gegossen. Seitdem die Gemeinde um 1560 unter dem Pfarrer Nicolaus von der Leyen geschlossen den lutherischen Glauben annahm, ist sie evangelische Pfarrkirche. Eine neue katholische Kirchengemeinde besteht seit 1859 und 1866 konnte sie die neue katholische Pfarrkirche bauen, die ebenfalls wieder dem hl. Jakobus geweiht ist.
Vom Kriege blieb auch Ründeroth nicht verschont. Wiederholt zogen plündernde Soldatenhaufen durch. 1621 steckten plündernde Soldaten das Dorf in Brand und es ist kaum ein Haus dem Feuer entronnen. Einen weiteren großen Brand gab es nochmals 1720, der ebenfalls große Teile des Dorfes vernichtete. Und zum Ende des 2. Weltkrieges wurde von abziehenden deutschen Soldaten die Aggerbrücke gesprengt. Dabei wurden etliche Häuser schwer beschädigt, bis hin zum Abbruch.
Nachdem 1806 die Franzosen eine Gemeindeordnung eingeführt hatten, wurde von dem ersten Bürgermeister, dem Maire Zapp, eine Volkszählung durchgeführt, die 421 Bürger ergab.
Die erste befahrbare Brücke über die Agger war eine Holzbrücke und bestand bis 1845, wobei nicht bekannt ist, wann sie gebaut wurde. Sie war wesentlich für den Bau der 1823 – 1834 gebauten Köln-Olper-Chaussee, der ersten Straße, die nicht mehr quer zur Agger, sondern entlang des Flusses verlief und ganz wesentlich zur Erschließung des
Oberbergischen beigetragen hat. Seit 1832 fuhr dann auch regelmäßig die Postkutsche von Köln nach Gummersbach. Damit bestand die Gelegenheit täglich nach Köln, Arnsberg und Siegen zu reisen.
Die Holzbrücke wurde 1845 durch eine erste Steinbrücke ersetzt, die dann 1928 erneuert wurde. Nach der Brückensprengung von 1945 wurde durch amerikanische Pioniere eine sog. Pattonbrücke gebaut, eine Eisenbrücke mit Fahrbahn aus Holz, bevor dann 1949 die neue Agger-brücke dem Verkehr übergeben werden konnte. Entgegen den Vorläufern überquert diese neue Brücke den Fluß jetzt schräg und vermeidet die engen Kurvenbereiche der alten Straßenführung am Fuße des Hohenstein.
Vor den Straßenbrücken bestanden übrigens schon seit langer Zeit Brücken für Fußgänger. Bereits in der Türkensteuerliste von 1542 ist ein Hauseigentümer mit dem Namen Brass vor der Brucken erwähnt. Die Fußgängerbrücken waren aber schmal und nicht ungefährlich und wurden bei Hochwasser auch schon mal mit abgetrieben. So ist z.B. 1574 eine Kirchgängerin mit der Brücke abgetrieben und ertrunken. Die letzte Fußgängerbrücke an dieser Stelle gab es ab 1945 zusammen mit der Pattonbrücke.


Blick vom Haldy-Turm aus auf Ründeroth
Die Einwohner von Ründeroth haben es trotz ärmlicher Verhältnisse geschafft, bereits seit 1608 auf eigene Kosten eine Pfarrschule zu unterhalten. Nach 1750 erlebte diese Ründerother Schule durch den Pastor Leopold Goes eine hohe Blütezeit. Leopold Goes führte an der Ründerother Lateinschule den Mathematikunterricht ein und unterrichtete selbst in Englisch. Der Lehrer Jean Beck brachte französische Lebensart nach Ründeroth und unterrichtete Tanz und Französisch. Auch Mädchen wurden in allen Fächern unterrichtet und die Schule hatte einen sehr großen Einzugsbereich bis hin nach Wuppertal, Hagen, Olpe und dem Niederrhein. Diese auswärtigen Schüler lebten in Ründerother Familien in Kost und Logis. Auf Dauer konnte die Qualität der Schule jedoch nicht erhalten werden und 1842 wurde sie dann geschlossen. Unter dem Namen „Paritätische Höhere Schule“ wurde sie 1902 erneut ins Leben gerufen und bestand so bis 1938.
Zum dritten Male wurde die Schule 1946 als „Leopold-Goes-Realschule“ wieder eröffnet. Sie bestand zunächst in einem Schulgebäude auf der Kronenburg und konnte 1969 in das neue Schulzentrum in der Walbach verlegt werden. Bis heute hat diese Schule einen guten Ruf.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung trugen schon früh die Ründerother Eisenhütte und die Hammerwerke an der Agger, der Walbach, der Wiehl und der Leppe ganz entscheidend bei. Die Hütte war bis 1876 in Betrieb und wurde an der Hüttenstraße auf dem Gelände betrieben, das heute vom REWE – Markt belegt ist. Der jährliche Ausstoß betrug 400 – 420 Karren und ging an die vielen Stahl- und Bandhämmer in der näheren Umgebung. Da die Hütte viel Holzkohle benötigte, das in den umliegenden Wäldern ausreichend vorhanden war, verschaffte sich mancher Landwirt zusätzliche Einnahmen, indem er in den Wintermonaten Holz schlug und es in den Meilern verkohlen ließ.


Der Aussichtsturm auf der Hohenwarte
Die weitere Verarbeitung zu Stahl erfolgte in zahlreichen Hammerwerken, die sich bald einer ausgezeichneten Qualität rühmen konnten. Aus ihnen sind große Edelstahlbetriebe entstanden, die auch Firmen wie Krupp maßgeblich beeinflussten und bis heute Weltgeltung besitzen.
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war Ründeroth ein relativ wohlhabender Ort mit einem sehr engagierten Bürgertum und Fabrikaten, die sich ihrer örtlichen Verantwortung deutlich bewusst waren. In diese Zeit fallen die wesentlichen Vereinsgründungen, der Bau von Sozialeinrichtungen wie Krankenhaus und Jugendheim und auch z.B. der Bau der Aussichtstürme.
Bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung wuchs der Druck zur Verbesserung der Verkehrswege. Hier war dann das Jahr 1884 ganz bedeutsam, als die Eisenbahn im Aggertal bis nach Ründeroth in Betrieb genommen werden konnte. Damit war Ründeroth dann auf kurzem Wege an den überregionalen Verkehr angeschlossen und insbesondere in den folgenden Jahrzehnten, als die Bahnstrecken fortgeführt und ausgeweitet wurden hat dies sowohl zur aufblühenden wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen, als auch ganz erheblich die Mobilität der Einwohner gefördert.
Bei der Entwicklung des Verkehrs gab es dann nochmals einen großen Schub, als in den 1970iger Jahren die Autobahn A4 von Köln nach Olpe durch das Oberbergische geführt wurde. Dies hat den Verkehr auf der talseitigen B55 deutlich entlastet und letztlich das ganze Oberbergische an das europäische Autobahnnetz angeschlossen. Mit den jeweiligen zugehörigen breit ausgebauten Zubringerstraßen wurde damit auch das gesamte Kreisgebiet verkehrstechnisch erheblich besser erschlossen. Und wenn man es genau betrachtet, dann ist damit der überregionale Verkehr wieder auf die Berge zurückgekehrt, auf denen er auch zu Beginn der Erschließung verlaufen ist.


Der Haldy-Turm
Ein weiterer wichtiger Zweig der Entwicklung war auch noch der Fremdenverkehr. Er kam in der Zeit zwischen 1920 und 1939 zu erheblicher Bedeutung. Laut den damaligen Reiseführern war Ründeroth ein freundlicher Ort mit hübschen Gärten, Villen und alten Fachwerkhäusern und hatte sich zur „Perle des Aggertals“ gemausert. Der Ort wurde zu einer beliebten Sommerfrische, wozu auch die damalige Stahlquelle als Heilquelle und Einrichtungen wie das Schwimmbad, der Ausbau von Wanderwegen und eine Reihe von Pensionen und Hotels beitrugen. Im Laufe des 2. Weltkrieges kam der Kurbetrieb aber zum Erliegen und in der anschließenden Zeit des Wirtschaftswunders konnte man sich allerdings nicht mehr gegen den dann einsetzenden Fernreisedrang behaupten.
Zum 1. Jan. 1975 wurden im Rahmen der kommunalen Neugliederung die bis dahin selbständigen Gemeinden Ründeroth und Engelskirchen zur neuen Gemeinde Engelskirchen zusammengeschlossen. Heute ist Ründeroth ein beliebter Wohnort mit rund 3.500 Einwohnern innerhalb dieser Gemeinde.